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Voll auf Integration gesetzt

Neuankömmlinge in Calw mit offenen Armen empfangen.

Als Mitte des Schuljahres 2012/13 zwei junge Asylbewerber aus dem Kosovo, ein frisch zugezogener portugiesischer Jugendlicher und eine Italienerin, an der Johann-Georg-Doertenbach-Schule ankamen, waren die Kolleginnen und Kollegen zunächst einmal vor ein Problem gestellt: Wie integriert man Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren, die keinerlei Deutschkenntnisse mitbringen, in den Regelunterricht mit deutschen Schülern?

Zunächst einmal organisierten engagierte Kolleginnen einen Intensivkurs, um rudimentäre Sprachkenntnisse zu vermitteln. Durch Stundenplanänderungen wurde dann ein Notfallplan aufgestellt, um die motivierten Jugendlichen wenigstens an zwei Tagen pro Woche beschulen zu können. Der Einsatz von Jugendbegleitern ermöglichte es, das Angebot nochmals zu erweitern. Zu Schuljahresbeginn 2013/14 sollte die Gruppe dann in eine Regelklasse integriert und durch Stützunterricht gefördert werden.

Bekanntlich kommt es aber anders, als man denkt, und so staunten die Kolleginnen und Kollegen des Vorqualifizierungsjahrs Arbeit / Beruf nicht schlecht, als zu Beginn des Schuljahres nicht vier, sondern15 Schülerinnen und Schüler vor der Klassenzimmertür standen, die mit geringen oder schlichtweg keinen Deutschkenntnissen aufwarten konnten. Die überwiegend männlichen Jugendlichen aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland, die sich in Deutschland vor allen Dingen bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz, im Falle der Asylbewerber ein besseres und sicheres Umfeld erhoffen, waren teilweise erst Tage vor Schulbeginn mit und ohne Familie in den Flieger gestiegen, um hier ihr Glück zu versuchen. Wobei die Wahl auf Calw meistens nicht zufällig fiel: Insbesondere Jugendliche aus Portugal und Italien haben im Landkreis Calw Familienangehörige, die bei der Übersiedlung und Integration helfen.

Was für die neuen Migranten eine vielleicht von langer Hand geplante und durchdachte Maßnahme war, stellte die Schule vor neue Schwierigkeiten. In einem enormen Kraftakt wurde ein didaktisches Konzept entwickelt, um den Jugendlichen nicht nur den Erwerb der deutschen Sprache zu ermöglichen, sondern auch notwendige Einblicke in die deutsche Kultur zu vermitteln und die Integration in das schulische und außerschulische Umfeld zu erleichtern: So wurde im Sportunterricht mit deutschsprachigen Klassen kooperiert, es wurden Ausflüge zu historischen Städten in Calw und Umgebung organisiert und schließlich, dank der großzügigen Spende der Raiffeisenbank Calw, ein Museumsbesuch im Karlsruher Schloss ermöglicht.

Der Aufwand war für Schüler wie Lehrkräfte lohnend: Neun Schülerinnen und Schüler haben die das Schuljahr abschließende Deutschprüfung  mit teilweise hervorragenden Leistungen bestanden und können in das Regelschulsystem überführt werden. Ein Schüler aus Afghanistan hat bereits einen Ausbildungsplatz gefunden.

Weitere acht Schülerinnen und Schüler, die in den Monaten Februar und März in Calw ankamen, wurden ebenfalls mit offenen Armen empfangen und dürfen im kommenden Schuljahr ganz regulär die neu gebildete Klasse „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen“ an der Johann-Georg-Doertenbach-Schule besuchen.